
Wie Cultural Studies über Sprachgrenzen hinweg wirken
- October 11, 2023· Article by Maria Jones
- Education , Cultural Studies
Die Kulturwissenschaften leben vom Austausch. Ideen über Medien, Identität und Macht wandern zwischen Universitäten, Fachzeitschriften und Seminarräumen in vielen Ländern, und fast alle beginnen in einer Sprache und müssen in einer anderen bestehen. Für Doktorandinnen und Forscher stellt sich daher nicht nur die Frage, was sie sagen wollen, sondern auch, wie sie verstanden werden, wenn ihre Arbeit das eigene Land verlässt.
Dieser Beitrag zeigt, wie Cultural Studies über Sprachgrenzen hinweg wirken, wo Bedeutung verloren geht und was Forschende tun können, um ihre Arbeit zu schützen.
Ein Fach mit geliehenem Vokabular
Das Fach entstand am Centre for Contemporary Cultural Studies in Birmingham, und seine Begriffe erreichten den Rest der Welt durch Übersetzung. Der Überblick zu den Cultural Studies zeigt, wie eng das Feld mit der Kulturwissenschaft insgesamt verbunden ist.
Begriffe wie Hegemonie, Repräsentation oder Subkultur wirken auf dem Papier eindeutig. In der Praxis hat jede Sprache dafür eine leicht andere Nuance, und eine nachlässige Übertragung kann aus einem kritischen Konzept ein vages Etikett machen.
Eine Theorie ist nur so gut übertragbar wie die Wörter, die sie tragen, und deshalb verdient die Übersetzung dieselbe Sorgfalt wie das Argument selbst.
Wo in wissenschaftlichen Texten Bedeutung verloren geht
Drei Probleme tauchen immer wieder auf. Das erste ist die Terminologie, denn ein englisches Wort hat oft mehrere mögliche deutsche Entsprechungen, und die Übersetzerin muss jene wählen, die zur Denkschule der Autorin passt. Das zweite ist der Ton, weil englische Wissenschaftstexte meist direkter formulieren, während das Deutsche längere, verschachtelte Sätze gewohnt ist. Das dritte sind Bezüge, denn Beispiele aus britischem Fernsehen oder amerikanischer Werbung sagen deutschen Lesern oft wenig.
Gute Fachleute lösen diese Probleme mit Glossaren, Anmerkungen und Rückfragen. Maschinelle Übersetzung tut nichts davon und glättet eine sorgfältig gebaute Argumentation häufig zu einer Reihe plausibler Sätze.
Warum Zeitschriften auf Sprachqualität achten
Internationale Zeitschriften erhalten weit mehr Einreichungen, als sie veröffentlichen können. Ein Beitrag mit holpriger Formulierung oder uneinheitlicher Terminologie gibt Gutachtern einen bequemen Grund zur Ablehnung, selbst wenn die Forschung stimmt. Klarheit im Ausdruck gilt als Teil der wissenschaftlichen Qualität und nicht als bloße Verzierung.
Wer in einer Zweitsprache publiziert, ist dadurch im Nachteil. Die Zusammenarbeit mit einem erfahrenen englisch übersetzer aus den Geisteswissenschaften gleicht das aus, weil dann die Ideen im Vordergrund stehen und nicht die Sprachfehler. Das gilt für Abstracts, Aufsätze und Konferenzbeiträge gleichermaßen.
Interviews als Rohmaterial der Forschung
Kulturwissenschaftliche Arbeiten stützen sich oft auf Gespräche mit Zeitzeugen, Mediennutzern oder Fachleuten. Wer solches Material auswertet, muss die Aufnahmen zunächst schriftlich festhalten. Ein Leitfaden zum Thema Interview transkribieren erklärt, welche Regeln für Wortlaut, Datenschutz und Kosten gelten und worauf man bei der Beauftragung achten sollte.
Besonders heikel wird es, wenn Gespräche in mehreren Sprachen geführt wurden. Dann müssen Transkription und Übersetzung zusammenpassen, damit Zitate in der Arbeit nicht verfälscht werden.
Praktische Gewohnheiten für Promovierende
Einige einfache Gewohnheiten machen einen großen Unterschied. Ein persönliches Glossar mit den gewählten Entsprechungen für Schlüsselbegriffe verhindert Brüche im Text. Redewendungen und kulturelle Anspielungen sollten im Entwurf markiert werden, damit Übersetzer erkennen, dass sie Absicht sind. Auch nach einer professionellen Übersetzung lohnt sich ein zweiter Blick durch eine Muttersprachlerin aus dem eigenen Fach.
Betreuende können ebenfalls helfen. Wenn sie Doktoranden ermuntern, Literaturlisten, Abstracts und Kapitelentwürfe in mehr als einer Sprache auszutauschen, entsteht eine Forschungskultur, die nicht allein vom Englischen abhängt.
Zeit einplanen und früh anfangen
Übersetzungen brauchen Zeit, besonders wenn sie beglaubigt sein müssen oder ein Fachlektorat einschließen. Wer erst kurz vor der Einreichung beginnt, hat selten Luft für Rückfragen. Ein realistischer Plan nennt für jeden Text einen Termin für den ersten Entwurf, die Prüfung und die endgültige Fassung.
Fördergeber und Verlage setzen häufig feste Fristen. Ein verspäteter Anhang kann einen ganzen Antrag gefährden, und der Aufwand für eine saubere Übersetzung ist im Vergleich dazu gering.
Medientheorie in einer mehrsprachigen Welt
Dieselben Fragen stellen sich in der Medienforschung. Studien über Fernsehen, soziale Plattformen oder Nachrichten stützen sich oft auf Quellen in mehreren Sprachen. Wer nur englisches Material liest, sieht einen schmalen Ausschnitt. Wer die Originalberichte liest oder zuverlässige Übersetzungen in Auftrag gibt, stellt oft fest, dass vertraute Theorien angepasst werden müssen.
Genau darin liegen die Stärken der Cultural Studies. Sie gehen nicht davon aus, dass eine Sprache oder eine Kultur die Antworten besitzt, und sie behandeln Übersetzung als Teil der Analyse und nicht als technischen Schritt am Ende.
Ein Beispiel aus dem Seminaralltag
Eine Doktorandin analysiert britische Jugendkultur der Neunzigerjahre und möchte ihr Kapitel auch auf Deutsch veröffentlichen. Schon der Titel wirft Fragen auf, denn der englische Begriff hat keine kurze deutsche Entsprechung. Ihre Lösung besteht darin, den Originalbegriff beim ersten Auftreten zu erklären und danach konsequent zu verwenden.
Solche Entscheidungen wirken klein, prägen aber den ganzen Text. Wer sie bewusst trifft und dokumentiert, erspart sich später lange Diskussionen mit Gutachtern, Lektoren und Betreuern.
Was bleibt
Forschung über Sprachgrenzen hinweg braucht sorgfältige Wörter, saubere Unterlagen und genügend Zeit. Wer Übersetzungen früh plant, Fachleute mit Erfahrung wählt und jeden entlehnten Begriff als eigenes Argument behandelt, kommt sicherer ans Ziel.
Gelingt das, kann eine Dissertation aus einem Land ein Seminar in einem anderen anregen, und ein Zeitschriftenartikel kann ein Gespräch zwischen Menschen beginnen, die sich sonst nie begegnet wären.